Die Natur des Mostes

Die Streuobstwiese – Obstvielfalt deluxe

Von der Mostbirne bis zur Nuss, vom seltenen Apfel bis zur Streuobstsorte des Jahres – einer „primitiven Pflaume“ – findet man auf den heimischen Streuobstwiesen viel unterschiedliches Obst. Durch die schrumpfenden Streuobstflächen verschwinden auch gewisse Obstsorten. Daher ist die Erhaltung der Streuobstwiesen als „Genpool“ besonders wichtig.

Die Streuobstwiesen sind landschafts- und identitätsprägend in in den Regionen Bucklige Welt, Wechsel- und Schneebergland. Mit ihrer Pracht erfreuen sie die Bewohner wie ihre Gäste Jahr für Jahr – und natürlich auch deren Gaumen. Schließlich wachsen auf den heimischen Streuobstwiesen die unterschiedlichsten Obstgattungen: vom Apfel und Birne über die Zwetschke bis zur Nuss – hier findet man echte Schätze.

Genreserve Streuobstwiese

Gerade für die Sortenvielfalt innerhalb einer Gattung spielen die Streuobstwiesen eine ganz entscheidende Rolle. So findet man in Österreich bis zu 500 Apfelsorten, rund 150 Birnen- und Zwetschkensorten, 50 verschiedene Kirschensorten und bis zu 30 Weichselsorten die bekannt und beschrieben sind. Es ist jedoch davon auszugehen, dass noch zahlreiche weitere, nicht aufgezeichnete Sorten existieren. Für diese Vielfalt verantwortlich ist der Umstand, dass auf einer typischen Streuobstwiese die unterschiedlichsten Bäume allen Alters und jeglicher Größe zu finden sind. Somit nehmen die Streuobstwiesen eine entscheidende Rolle als Genreserve für die Pflanzenzucht ein.

Neue Anforderungen durch Klimawandel

Viele dieser Sorten drohen verloren zu gehen: Die Überalterung der Baumbestände, Krankheiten und vielfache Rodungen bedrohen die Streuobstwiesen. Das wäre aus Sicht der ökologischen Vielfalt und Biodiversität ein herber Verlust. Gerade der Klimawandel kann große Veränderungen mit sich bringen, weshalb heute noch niemand sagen kann, welchen Nutzen die verschiedenen Birnen und Äpfel in Zukunft noch haben können. Daher ist es auch unser Ziel als Mostbauern, den Sortenreichtum in den Regionen Bucklige Welt, Wechsel- und Schneebergland für kommende Generationen zu erhalten.

Um auf den Rückgang der Streuobstvielfalt hinzuweisen, kürt die ARGE Streuobst seit 2008 eine Streuobstsorte des Jahres. Mit der Grünen Winawitz trug auch bereits eine Mostbirne diesen Titel. In diesem Jahr ist der Botschafter für die Sortenvielfalt der Rote Spenling. Dieser wird zu den „Primitivpflaumen“ gezählt, da die Sorte den Wildpflaumen nahe steht und noch etliche Ursprungsmerkmale aufweist. So kann die Sorte aus Wurzelaustrieben oder Kernen weiter vermehrt werden.

Die Streuobstsorten der vergangenen Jahre:

  • 2018: Salzburger Rosenstreifling (Apfel)
  • 2017: Joiser Einsiedekirsche
  • 2016: Gute Graue (Birne)
  • 2015: Anna Späth (Zwetschke)
  • 2014: Grüne Winawitz (Mostbirne)
  • 2013: Steirischer Maschanzker (Apfel)
  • 2012: Florianer Rosmarin (Apfel)
  • 2011: Lütticher Rambour (Apfel)
  • 2008: Schmidberger Renette (Apfel)


Viele Sorten, viel Genuss

Die unterschiedlichen Obstsorten bieten natürlich auch spannende Möglichkeiten bei der Nutzung. So lassen sich mit den verschiedenen Früchten von der Streuobstwiese neben Most und Säften auch Schnäpse, Dörrobst, Marmelade, Mus, Kompott, Essig und vieles mehr herstellen und genießen. Ein echter Genuss ist es natürlich auch, so manche Frucht direkt vom Baum zu pflücken und zu verspeisen. So ist jeder Baum der auf der Streuobstwiese stehen bleibt, ein Beitrag zur Sorten- und Genussvielfalt. Um die Bäume zu pflegen, bedarf es auch der Kunden, die die Streuobstprodukte konsumieren. Wer also einen Beitrag zum Erhalt der Streuobstwiesen leisten möchte, trinkt Most und greift zu Streuobstprodukten!

Bunt ist die Streuobstwiese nicht nur im Herbst, wenn sich das Laub der Bäume in den unterschiedlichsten Farbtönen zum leisen Hauch des Windes bewegt. Die unterschiedlichsten Pflanzen – vom Obstbaum bis zu den Wiesenblumen darunter – sorgen das gesamte Jahr über für einen bunten Mix.

Im 15. und 16 Jahrhundert breitete sich der Obstbau in Mitteleuropa von der Siedlungsnähe auf die umliegenden Wiesen und Weiden aus. Seither wurden in Österreich auf beinahe jedem geologischen Untergrund, Bodentyp und in fast allen Lagen unterschiedlichste Streuobstwiesen angelegt. Kein Wunder also, dass unsere Streuobstwiesen zahlreiche unterschiedliche und artenreiche Pflanzenwelten beherbergen.

Zwischen Agar-Wiese und Refugium

Aus diesem Grund finden sich oftmals nicht nur wirtschaftlich interessante Nutzpflanzen und typische Agrar-Wiesen auf den Streuobstflächen. Seltene und gefährdete Pflanzenarten (z.B. Orchideen) finden hier ebenfalls ideale Bedingungen vor. Oft sind im Unterwuchs der Bäume bunte, blüten- und artenreiche Wiesenflächen mit Glockenblumen, Margeriten oder Wiesensalbei erhalten geblieben. Viele derartige Wiesen sind im Lauf der letzten Jahre jedoch verschwunden. Ursachen dafür sind der vom Bauboom getriebene Flächenfraß und die immer intensivere landwirtschaftliche Nutzung.

Dennoch finden sich auch heute noch neben den intensiv bewirtschafteten Grünflächen, die wesentlich ärmer an Pflanzenarten sind, oft bunte und an unterschiedlichen Gefäßpflanzenarten reiche Wiesen unter den Streuobstbäumen. Nur die Vielfalt an Baum- und Pflanzenformen – vom hochstämmigen Mostbirnbaum bis zum krautigen Unterwuchs erlaubt auch eine große tierische Artenvielfalt. So braucht es etwa das große und vielfältige Nahrungsangebot von Obstbäumen und Wiesenblumen, damit Wildbienen das gesamte Jahr hindurch genügend Nahrung vorfinden.

Bis zu 450 Pflanzenarten

Wie artenreich eine Streuobstwiese ist, hängt jedoch nicht nur von der Bewirtschaftung der Grünfläche darunter ab, sondern vielfach auch von ihrer landschaftlichen Ausformung. Bilden sich etwa Kuppen, Senken oder Hänge aus, kann dies zusätzlich zu unterschiedlichsten Kleinstandorten beitragen. Dadurch kann eine relativ kleine Fläche sogar völlig unterschiedliche Ausprägungen (trocken/feucht, nährstoffarm/nährstoffreich) annehmen. Eine derartige Kleinteiligkeit der Flächen erhöht die Artenvielfalt nochmals immens. In den artenreichsten Wiesen können bis zu 70 verschiedene Gefäßpflanzenarten vorkommen. Insgesamt kann eine einzige Streuobstwiese sogar bis zu 450 Pflanzenarten beheimaten!

Klimafaktor Streuobstwiese

Das unterscheidet die Streuobstwiese mit ihren unterschiedlichsten Bäumen und Untergründen von modernen, niederstämmigen Intensivobstbauflächen. Durch ihre unterschiedliche Ausprägung übernehmen die Streuobstwiesen auch wichtige Funktionen für das kleinräumige Klima. Sie bremsen Wind und filtern die Luft.

Im Fokus: Die Streuobstwiese